
Wenn über die Vergütung gestritten wird
Ein Unternehmer verlangt die Schlusszahlung, der Auftraggeber beruft sich auf Mängel oder unvollständige Arbeiten. In solchen Fällen sind der vereinbarte Leistungsumfang, die tatsächlich erbrachte Leistung und die Voraussetzungen der Fälligkeit getrennt zu prüfen. Wir unterstützen sowohl bei der Geltendmachung als auch bei der Abwehr von Werklohnforderungen.
Wann ist die Rechnung fällig?
Bei Werkverträgen wird die Vergütung grundsätzlich mit der Abnahme fällig. Für Bauverträge verlangt § 650g Absatz 4 BGB daneben grundsätzlich eine prüffähige Schlussrechnung; gesetzliche Sonderfälle bleiben zu beachten. Abschlagszahlungen können schon zuvor unter eigenen Voraussetzungen verlangt werden. Eine Rechnung allein beweist weder die vollständige Leistung noch deren Mangelfreiheit.
Mängel und Zahlungseinbehalt
Besteht ein Anspruch auf Mängelbeseitigung, kann nach § 641 Absatz 3 BGB ein angemessener Teil der Vergütung zurückbehalten werden. Angemessen ist in der Regel das Doppelte der voraussichtlichen Beseitigungskosten. Ein vollständiger Einbehalt ohne Rücksicht auf Umfang und Bedeutung der Mängel kann dagegen zu eigenen Verzugsrisiken führen.
Nachträge und Beweise
Zusätzliche Vergütung setzt eine tragfähige vertragliche oder gesetzliche Grundlage voraus. Wichtig sind Angebote, Aufträge, Aufmaße, Stundenbelege, Änderungsanordnungen und die dazugehörige Kommunikation. Auch nicht ausdrücklich vereinbarte Vergütung oder streitige Abnahmen erfordern eine genaue Einzelfallprüfung.
Beispiel: Schlussrechnung und undichte Fenster
Ein Betrieb verlangt nach Fertigstellung den gesamten Restbetrag. Der Auftraggeber beanstandet undichte Fenster. Zu prüfen sind insbesondere die Abnahme, der geltend gemachte Mangel, die geschätzten Reparaturkosten und ein zulässiger Einbehalt. Der unstreitige Teil sollte von dem streitigen Teil getrennt betrachtet werden.
Mahnung und gerichtliche Schritte
Verzug setzt grundsätzlich Fälligkeit und eine Mahnung voraus, soweit keine gesetzliche Ausnahme greift. Vor Mahnverfahren oder Klage sollten Beweise, mögliche Gegenansprüche und das Kostenrisiko geprüft werden. Auch Verjährungsfristen sind im Blick zu behalten.
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Rechtliche Grundlagen
Vergütungsfälligkeit: § 641 BGB · Bauvertrag und Schlussrechnung: § 650g BGB · Abschlagszahlungen: § 632a BGB · Verzug: § 286 BGB
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Stand: 2. November 2026. Die Informationen geben eine allgemeine Orientierung; die rechtliche Beurteilung richtet sich nach Ihrem Vertrag und dem konkreten Sachverhalt.
